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Das Wasserkraft-Drehwerk “Hintere Mühle”
und der ”Schwarze Teich”
Hier möchten wir Ihnen eine Geschichte
aus dem Buch "Erzählungen aus der
Hinteren Mühle" vorstellen.
Mit freundlicher Genehmigung von
Autorin Maria Roscher aus
Deutschneudorf.
Verlorener Krieg
Ich weiß nicht wann, aber es wurde allen klar, dass der Krieg verloren war. Wenn unsere
Verwandten von der Front auf Urlaub kamen, sprachen die Männer ernst und leise mit-
einander. Die Courage fehlte, die volle Wahrheit auszusprechen. Einmal hieß es, die
Amerikaner wären schon ganz weit heran. Unter ihre Herrschaft zu fallen, wünschten sich
alle. Nur nicht zu den Russen kommen! Inzwischen sollten die Russen bis Plauen sein.
Meine Eltern trafen viele Vorbereitungen, die ein Überleben ermöglichten sollten. Meine
dumme Frage, ob es so werden würde, dass überall im Lande die Glocken läuten würden,
wenn der Krieg zu Ende wäre, beantwortete meine Mutter mit: “Nein, so würde es wohl nicht sein“. Schade,
das Läuten hätte mir schon gefallen, ich hatte ähnliches gehört.
Meine Mutter begann zu backen. Aus zurückgelegtem weißen Mehl, Zucker, Butter und sogar
Eiern backte meine Mutter starke Stangen. Die wurden nach dem Backen und Ablagern zu Scheiben
geschnitten und noch einmal gebacken. Daraus wurde herrlicher goldgelber
Zwieback. Meine Begierde war groß. Ich wollte davon essen. Nein, sagte meine Mutter,
der Zwieback müsste aufgehoben werden. Meine Leute begannen Sachen zu verstecken, in den
Riegelstößen, im Garten unter den Beersträuchern, auf den höchsten Balken des
Oberbodens, unter Dielenbrettern. Zucker und Mehl kamen in Konservengläser. Meine
Eltern versteckten ihre Eheringe angenagelt in den Kastenöffnungen eines Wandschrankes.
Dort überdauerten sie die schlimmste Zeit. Später begann das große Suchen und nach Jahren
kam noch manches zutage und manches nie. Das Mehl war immer verdorben, der Zucker aber gut.
Im Ablaufschacht des Wasserrades, der unter dem Drehwerk verläuft, zog mein Vater einen Zwischenboden
aus Balken ein. Eine Bekannte sagte, dass sogar Iwano dabei geholfen
hätte. Das wurde ein sehr sicheres Versteck für die gefährdeten jungen Mädchen in der
Familie. Alles wurde still und heimlich gemacht. Man nahm sich in acht, dass niemand
etwas merkte. Jedenfalls war alles vorbereitet. In dem engen Verlies lagen alte Decken und
einige Lebensmittel. In ganz kurzer Zeit war alles feucht und klamm. Neben dem Wasserrad
konnte man eine Leiter runterlassen und über diese konnten wir den schmalen Raum erreichen. Es war
vieles vorbereitet.
An dem Tag, wo mir mein Vater so halb und halb den Hitlergruß ausgetrieben hatte, gab es plötzlich eine
zusätzliche Lebensmittelzuteilung. Was das war, weiß ich nicht mehr. Wir standen stundenlang in einem
Laden an, wo wir sonst nie einkauften. Das war aber zweitrangig geworden. Eine dünne junge
Flüchtlingsfrau fiel in Ohnmacht. Man sagte, die Amis sind nicht mehr weit.
Maria Roscher
Nähere Infos zum Buch gibt es unter dem Punkt Literatur .